Pally66 - Meine Gedichte.

gereimtes & ungereimtes
 
 

Einen alten Baum verpflanzt man nicht oder Gedanken zum Umzug

Hoffentlicht versäume ich den Zug nicht. Ach nein, ich sehe schon, es bleibt noch etwas Zeit. - Da staunt ihr, mich heute so in Reisestimmung anzutreffen. Nein, ich fahre nicht in Urlaub. Ich habe mich entschlossen, zu meinem Sohn nach München zu ziehen. Ja, ja, ihr habt richtig gehört, ich wechsele in meinem Alter noch einmal den Wohnort. Auch wenn eine Redensart besagt : einen alten Baum verpflanzt man nicht!
Na ja, ihr wißt ja. Als vor fünf Jahren mein Mann starb, war ich plötzlich allein in der großen Wohnung. Zunächst war es eine gewaltige Umstellung für mich, alles allein in den Griff zu bekommen. Nachbarn, Bekannte und Freunde taten alles, um mich abzulenken. Mich einfach aus meiner Isolation herauszuholen . Auch mein Sohn bot mir schon kurz nach der Beerdigung an, zu ihm zu ziehen. Er meinte, sie hätten ausreichend Platz im Haus und die Kinder würden auch ganz bestimmt Rücksicht auf mich nehmen. Er selbst könnte sich dann auch vielmehr als bisher um mich kümmern, und nicht nur an den Festtagen. Auch im Krankheitsfall wäre er sofort zur Stelle.
Ich muß zugeben, der Vorschlag schien mir zunächst sehr verlockend. Nachdem ich aber so einige Nächte darüber geschlafen hatte, wurde mir immer bewußter, was ich hier alles aufgeben müßte. Die vertraute häusliche Umgebung, die hilfsbereiten Nachbarn, das Kaffeekränzchen mit Freunden; selbst der Plausch beim Kaufmann würde mir irgendwie fehlen. Und überhaupt, mich in meinem Alter noch einmal neu orientieren. Nein, daß kam gar nicht in Frage.Die ganze Angelegenheit fand ich einfach absurd. Um ehrlich zu sein: ich hab` es mir auch nicht zugetraut. - Nichts gegen meinen Sohn. Er ist ein liebenswerter und einfühlsamer Mensch. Auch seine Familie ist mir herzlich zugetan. Aber ihr wißt ja, wie das so ist: mehrere Generationen unter einem Dach??..........Ist erst einmal die Sonntagsstimmung verflogen, rückt der Alltag in den Vordergrund. Wie würde es dann aussehen?? Also vertöstete ich ihn immer auf später und beließ es eben nur bei den Besuchen.
Doch in letzter Zeit, wenn ich wieder einmal von einem Besuch in meine eigenen vier Wände zurückkehrte, spürte ich schon diese endlose Stille, die bedrückende Einsamkeit , die plötzlich immer mehr Raum einnahm. Immer öfter verfiel ich in Grübeleien. Mußte an die schöne Zeit bei meinem Sohn denken. An das Lachen der Kinder und die gemeinsamen Spaziergänge. Auf einmal kam ich mir in meiner Wohnung irgendwie verloren vor . Trotz der vielen netten Leute um mich herum, verbrachte ich doch die meiste Zeit allein.
So geschah es , daß ich bei meinem letzten Sommerbesuch in München, auf einem meiner Spaziergänge eine reizende Wohnanlage erblickte. Gar nicht weit weg vom Häuschen meines Sohnes. Das wäre doch vielleicht auch etwas für dich, dachte ich so bei mir. Zunächst verwarf ich diesen Gedanken, doch nach einigen Tagen Überlegungszeit entschloß ich mich, Kontakt mit dem Wohnungsvermieter aufzunehmen. Bereitwillig zeigte er mir eine kleine , zur Sonnenseite gelegene Wohnung. Und was soll ich euch sagen: ich war auf Anhieb begeistert.Ruhig und Idyllisch gelegen, viel Grün vor der Tür; genau das Richtige für mich. Vor allen Dingen hätte ich meine Familie auf diese Weise immer in erreichbarer Nähe ohne meine Selbständigkeit aufzugeben.
Ja, und heute ist es nun so weit. Ich bin nicht nur aufgeregt sondern auch sicher, daß ich den, für mich richtigen Schritt für die Zukunft getan habe.

6.4.16 19:21

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