Pally66 - Meine Gedichte.

gereimtes & ungereimtes
 
 

Warten - geschenkte Zeit

Jeder kennt die Situation:
nur noch schnell am Supermarkt vorbei, um Vergessenes zu kaufen und dann das - Warteschlangen vor den Kassen!
Oder am Bahnhof: pünktlich will man den Gast in Empfang nehmen, dann liest man auf der Anzeigentafel, dass der Zug erhebliche Verspätung hat.
Selbst die Autofahrt nach Hause kann länger als erwartet sein: der Stau war nicht vorhersehbar.
Immer heißt es warten - warten - warten ! Und gerade diese Wartezeit lässt Unbehagen in uns aufkeimen. Ungeduldig treten wir von einem Fuß auf den anderen, laufen nervös auf und ab, oder wir greifen zum Smartphon, und unsere Finger fliegen wie wild darauf umher. Ein Blick ins Internet muß sein, denn man möchte ja nichts versäumen! Die Technik macht`s möglich. Ist eine Ladenzeile in der Nähe, widmen wir uns dem Konsum, um die Wartezeit zu verkürzen. Auf diese Art und Weise haben nicht nur wir ein Schnäppchen gemacht, sondern auch noch den Umsatz des Geschäftes gesteigert. Im Grunde genommen ist Warten wie ein Hohlraum, den es gilt, auszufüllen. Egal, wo mit! Aber wird uns nicht durch das Warten ein wenig Zeit geschenkt? Zeit, die wir sonst in unserem hektischen Alltag nicht zur Verfügung hätten?
Wenn wir einen Blick zurück in unsere Kindheit werfen, dann wirkte das Warten auf Weihnachten, auf die Bescherung oder auf den Morgen unseres Geburtstages wie Magie. Eine Erwartungshaltung verbunden mit Faszination lag in der Luft und füllte diesen Hohlraum aus. Doch unsere heutige Zeit will diese Räume so gering wie möglich halten, in dem uns die Möglichkeit gegeben wird, dieser Warterei entgegenzutreten. Vielleicht wäre es empfehlenswert, diese " geschenkte Zeit " zum Anlass zu nehmen,einmal kurz Innezuhalten, Durchzuatmen, statt uns mit Dingen abzulenken, die wir sonst vielleicht gar nicht getan hätten.

 

 

 

 

 

 

6.2.18 17:26

Letzte Einträge: Der Weg ist weit ........, Z w e i f e l, N U L L , Das alte Haus, Der Blick zurück

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


padernosder (6.2.18 20:07)
Hallo,

über dieses Thema kann man herrlich diskutieren. ;-) Gibt es "geschenkte" Zeit überhaupt? Und wenn ja, was damit anfangen?
Kann ich an einem Ort, an dem ich mich nicht wohlfühle, überhaupt konzentriert und erfolgreich nachdenken?

Meine Meinung: Wenn ich in meinem Leben nur zufällig Zeit zum Nachdenken "geschenkt" bekäme, dann würde ich etwas falsch machen, worüber ich zuhause - auf dem Sofa, bei einem Glas Wein, in aller Ruhe - nachdenken sollte.

Aber es gibt natürlich im Leben der Menschen keine allgemein gültigen Regeln. Was für den Einen sinnlos verstrichene Zeit ist, empfindet der Andere als dringend nötige Atempause. Was nützt Nachdenken, wenn nichts dabei "herauskommt"? Brauchen wir nicht eine "mittlere Katastrophe", um trotz besseren Wissens endlich eine Änderung im Leben herbeizuführen?

Dennoch halte ich "Wissen und Bildung" für sehr hilfreich. Auf ein konsequentes Nachdenken der Menschen hingegen, also mit den entsprechenden Folge-Handlungen, vertraue ich keine Sekunde.

Else Pannek, eine deutsche Lyrikerin sagte: "Der Weg von der Erkenntnis zur Tat wird umgangen wie eine Schonung. Würde er öfter beschritten, trüge er das Schild: 'Betreten verboten'" ;-)


mausfreddy (6.2.18 20:30)
Hallo!
Ich bin 3 Jahre jeden Tag 92km einfache Strecke an die Arbeit gefahren. Autobahn A 5 war auch dabei. Ich bekam öfter mal Zeit geschenkt.
Ich hatte immer Nähzeug, Strickzeug und Bücher dabei. Ich habe viel Handarbeit fertig gebracht. So ein Stau dauert auch schon mal 3 Stunden.
Ab und zu hatte ich einen Kollegen dabei. Dieser ist jedesmal fast verrückt geworden. Er ist ausgestiegen und hat geraucht. Ich hab es ganz ruhig angehen lassen und mich über die Zeit gefreut.
Hab oft erlebt, dass ältere Menschen an der Supermarktkasse herumnoelen. Wenn die Verkäuferin verzweifelt schaut, sage ich immer ganz laut," Ich bin nicht auf der Flucht".
Beim Arzt hab ich immer ein Buch dabei und freue mich, dass ich zum lesen komme.
Deine Ausführung hat mich wieder zum Nachdenken gebracht.
LG mausfreddy


(7.2.18 07:44)
merry-n
Auch wenn es völlig unsinnig ist und eigentlich nur mir selber schadet, gehöre ich leider zur Gruppe der total ungeduldigen Menschen. Ich habe mich daher in deinem Text wiedergefunden. Natürlich stimmt es, dass dieses Verhalten absolut unsinnig ist, aber es ist halt auch nicht so einfach, sich zu entspannen oder sogar die Situation zu genießen, wenn man durch äußere Faktoren dazu gezwungen wird, an einem Ort zu warten, wenn es doch viel interessanteres zu tun gäbe. Aber cool zu bleiben wäre auf jeden Fall eine bessere Option!
Ich sehe schon, ich muss in dem Punkt an mir arbeiten! Vielen Dank für die Anregungen!


pally (7.2.18 17:51)
Danke Euch allen für die interessanten Kommentare. Natürlich gibt es kein Patentrezept für diese Situation u. jeder entscheidet für sich, wie er damit umgeht. Nur eines steht fest: warten gehört nun mal zum Tagesablauf dazu. Wer Kinder erzogen hat, kann das sicherlich bestätigen, denn derjenige hat geduldiges warten gelernt! In diesem Sinne wartet auf mein nächstes "Werk". LG pally

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