Pally66 - Meine Gedichte.

gereimtes & ungereimtes
 
 

Z w e i f e l

Früh am Morgen,
ich sitze im fast noch
menschenleeren Zug,
schaue aus dem Fenster,
gehe in Gedanken
noch einmal alle
Gesprächsthemen durch,
Unklarheiten,
dürfte es nicht geben,
plötzlich fragt mich eine
Stimme:
Bist du dir wirklich ganz sicher?
Ich schaue mich um,
niemand da,
doch der unsichtbare Fahrgast
spricht weiter;
du siehst mich nicht,
aber ich bin bei dir,
ich bin dein Zweifel,
ich werde dich ein Stück begleiten,
weil ich merke,
du stehst vor wichtigen Entscheidungen,
und das ist nun mal mein Spezialgebiet,
vielleicht könnte ich ein wenig
behilflich sein,
energisch protestiere ich,
was soll ich mit Zweifel?
ich brauche Gewissheit!
Der Unsichtbare bleibt hartnäckig:
ohne dem Einen
wird das Andere nicht gelingen,
bedenke:
Entscheidungen sollten nicht
in Eile getroffen werden,
sie müssen reifen,
Nachfragen, Abwägen,
Dinge hinterfragen,
Betrachtungen aus verschiedenen
Blickwinkeln,...
alles könnte ratsam sein.
Ich denke nach.........,
überlege...........,
aber wann weiß ich,
wie ich mich zu entscheiden habe?
Die Stimme schweigt
einen Moment,
dann flüstert sie mir zu:
wenn du mich nicht mehr hörst!

 

 

 

9.7.18 19:09

Letzte Einträge: Der Mond, A m a n d a, Vielleicht

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(10.7.18 20:59)
merry-n
Du hast die besondere Fähigkeit Einsichten, die wir alle aus dem eigenen Leben kennen, sehr deutlich wahrzunehmen und klar zu formulieren. Für mich ist das jedesmal ein Aha-Erlebnis. Dieses Gedicht finde ich besonders gut, denn es dreht sich um eine tiefe Wahrheit. Unser "Bauchhirn" ist sehr verlässlich, wenn es darum geht, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und zu beurteilen. In dem Buch " Darm mit Charme " ( kann ich sehr empfehlen!) ist das auch sehr gut begründet.
Dass du dieses Phänomen als Dialog mit deinem inneren Zweifler führst, macht das Gedicht sehr lebendig und anschaulich. Großartig!
Liebe Grüße, merry-n


padernosder (11.7.18 09:35)
Hallo,

der junge Friedrich Schiller hatte einmal Zweifel, ob das, was er schreibt, nicht unsinnig sei. Der klügste Philosoph seiner Zeit war Immanuel Kant. Schiller wandte sich also an diesen und bekam die Antwort: "Vertraue Deinem Geist, Deiner Schaffenskraft!" Schiller war erleichtert und schuf sein heute bekanntes Werk.

Wir tragen als Menschen immer "Zweifel" bzw. "Ängste" mit uns herum und wenn wir "leben" wollen, dürfen wir nicht darauf warten, bis diese verschwunden sind. Das wird nicht geschehen. Vieles im Leben hängt also davon ab, wie mutig wir sind, wie sehr wir uns selbst vertrauen und handeln, trotz aller Bedenken.


PP / Website (11.7.18 12:38)
Die Welt ist so wie sie ist, weil zu wenige Menschen zweifeln. Man könnte auch sagen: Der Dumme rennt blind drauflos, der Kluge zweifelt. Esther Vilar hat in ihrem lesenswerten Buch "Der betörende Glanz der Dummheit" beschrieben, warum wir von Dummen regiert werden: Sie kennen keinen Zweifel, stürzen sich in jedes Amt ohne dafür qualifiziert zu sein. Der Kluge, der dafür qualifiziert ist, lehnt eher ab, weil er zweifelt ..

Sehr gut in Worte gefasst und wohl am eigenen Leibe
erlebt. Der Zweifel und das Gewissen sind zwei Dinge, die uns an vielem hindern und das ist manchmal ein Glück und manchmal das Gegenteil.

LG PP

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen