Pally66 - Meine Gedichte.

gereimtes & ungereimtes
 
 

Sehnsucht

Leise rauscht der Wind durch die Bäume. Still steht sie am offenen Fenster, atmet die süsse Frühlingsluft ein und lauscht dem Gezwitscher der Vögel. Dabei kreisen ihre Gedanken nur um ihn.
Obwohl sie schon seit einem viertel Jahrhundert in ehelicher Verbundenheit lebt, traf sie neulich Amor`s Pfeil wie aus heiterem Himmel. Sie konnte nichts dazu. Dunkle Augen hatten sie auf einmal verzaubert. Wie er so vor ihr stand: wie ein großer Junge und doch schon ein Mann in den besten Jahren. Was faszinierte sie so an diesem Menschen? Waren es seine treuen Dackelaugen, die sie ansahen? Durchdringend und ohne Widerspruch. Trotzdem zärtlich. Immer, wenn sie sich sahen, wollte ihr Herz aus den Angeln springen. Dieses geheimnisvolle Knistern lag bei jedem Treffen in der Luft. So, wie bei einem jungen Mädchen, dem die erste Liebe begegnet. Jede seiner Berührungen versetzte sie in nie dagewesene Erregung. Immer wieder sagte sie sich: es soll, es kann und es darf nicht sein.Nein und nochmals nein!
Tränen laufen über ihr Gesicht, wenn sie nur an ihn denkt. Er ist ihr so nah und doch so fern. Besonders die Wochenenden schmerzen sehr. Allein der Gedanke, dass er jetzt friedlich mit Frau und Kind auf dem Sofa sitzt, Nüsse knabbert und fernsieht, versetzt ihr einen Stich ins Herz. Aber ist es bei ihr anders? Auch sie hat einen liebevollen, treusorgenden Ehemann. Der alles für sie tut, damit sie glücklich ist. Wirklich alles? Kennt er ihre geheimen Wünsche und Sehnsüchte? Wahrscheinlich nicht. Oder doch, geht aber diskret darüber hinweg? Was soll sie nur tun? Der Traumwelt entfliehen? Alles Gewesene mit IHM vergessen? Sie sucht nach Antworten auf ihre Fragen. Aber sie findet keine, da kann auch die laue Maienluft nichts ändern.

 

 

 

 

15.5.19 19:54

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


padernosder (18.5.19 09:02)
Hallo,

es ist schon bedauerlich, wenn man für die wirklich wichtigen Fragen des Lebens keine Antwort findet. Noch bedauerlicher ist es, wenn man dann zu dem Ergebnis kommt, die "Liebe" sei am eigenen "Unglück" schuld.

Jetzt kommt meine "radikale" Meinung dazu: Wer bei der "Liebe" den "Egoismus" weglassen kann, der weiß, was er zu tun hat. Das "Ideal" der "Liebe" ist es, das sie nichts für sich selbst will. Die meisten Menschen denken aber, die "Liebe" sei so etwas Edles und Schönes, daß sie (fast) alles darf. Ein Trugschluß!

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